Nuphar lutea - die gelbe Teichrose
Sommer, Sonne, Strand, Schwimmen! Das verbinden wir ganz klischeehaft doch alle mit Sommerzeit, Urlaubszeit. Oder?
Aber wir Homöopath:innen wissen ja, dass es ganz so einfach nicht ist. Sommer, Sonne, Strand, klar, ist nicht was für alle. Aber darum soll es heute nicht gehen.
Was ist mit dem Schwimmen?
Die einen schwimmen ausschließlich in offenen Gewässern, während die anderen sich ausschließlich in 'übersichtlichen', gekachelten und gechlorten Becken austoben. Soweit die Grobunterscheidung.
Die Begründungen sind vielfältig: Gechlortes Wasser wird nicht vertragen, Angst vor dem, was unter einem ist. Angst, in die Tiefe gezogen zu werden. Angst vor Fischen, Haien, der Strömung, dem Schlamm unter den Füßen, wenn man wieder an Land geht, und und und.
Ich frage dann immer, ob das denn nur am Anfang des Urlaubs so ist, oder ob die Angst oder Unsicherheit nachlässt nach einer Woche. Und so ist es dann auch oft. Dann hat es nicht viel zu bedeuten.
Angst im Wasser aus homöopathischer Sicht
Diese Ängste kennen wir zum Beispiel gut von Sepia (und anderen Meeresbewohnern). Verständlich, wenn man davon ausgeht, dass eine Sepia gern wissen möchte, was in ihrem angestammten Lebensraum um sie herum vorgeht, Fressfeinde rechtzeitig erkennen möchte usw.
Ein Mittel, bei dem das etwas anders ist, und das einige von Euch vielleicht noch nicht kennen, ist Nuphar lutea, die gelbe Teichrose. Nuphar lutea hat Angst, dass eine Leiche unter ihnen schwimmt. Sie können es auch nicht ertragen, wenn z.B. jemand unter ihnen hindurch taucht.
Und bei ihnen ist die Angst, dass etwas sie in die Tiefe ziehen könnte, sehr sehr ausgeprägt. Dabei geht es aber nicht um Haie oder sonstiges Getier. Es ist diffuser.
Was ist das Schlimmste, das einer Teichrose passieren kann? Genau, dass sie unter die Wasseroberfläche gezogen wird und abstirbt, oder – dass ihre Wurzeln gekappt werden, sie entwurzelt wird, und dann auch stirbt.
Patient:innen im Nupha lutea Zustand
Ein Mensch im Nupha lutea Zustand kann im Wasser echte Panikzustände erleiden aus Angst, in die Tiefe gezogen zu werden und zu ertrinken oder durch die Wahnidee, eine Leiche sei unter ihnen im Wasser.
Sie können auch extremen Ekel haben vor Haaren im Abfluss ('entwurzelt') oder vor allem, was aus dem Abfluss kriechen könnte (z.B. Silberfischchen). Völlig unwahrscheinlich, ich weiß, aber Angst ist nun mal Angst und nicht immer rational.
Ein anderes großes Thema von Nuphar lutea ist der Schwindel, ein Problem, das Gleichgewicht zu halten. Schwankschwindel, eine Art „schwappendes“ Gefühl im Kopf, Schwindel beim Vornüberbeugen des Kopfes zum Beispiel beim Haarewaschen.
Man könnte auch bei Seekrankheit daran denken, wenn gut gewährte Mittel nicht wirken.
Auch Angst vor Algen, weil sie aussehen wie Haare. Das mit den Haaren scheint ein großes Thema zu sein.
Mythologischen Bedeutung der Seerosen gibt ihr synonymer Name 'Nymphaea lutea'
Nymphen (oder Nixen) sind ja diese anmutigen weiblichen Naturgeister in der griechischen, römischen und auch hiesigen Mythologie.
Von der Weißen Seerose wird behauptet, dass Nixen auf dem Seegrund jemanden in die Tiefe ziehen und ertrinken lassen, der versucht, eine Seerose zu pflücken. Das ist zwar schon oft passiert, dass bei dem Versuch jemand ertrunken ist, aber eher, weil man sich leicht in den äußerst festen seilartigen Stängeln der Seerosen verheddert und dann nicht mehr freikommt.
Andere Probleme von Nuphar lutea drehen sich um Abschied, endgültigen Abschied vor allem, oder die Angst davor, dass er endgültig ist. Auch darum, verlassen zu werden. Um gekappte Beziehungen, 'tote' Beziehungen. Oder sie selbst kappen Beziehungen selbst endgültig, kennen keinen Mittelweg. Ganz oder gar nicht!
Eine weitere häufige Angst ist geradezu entgegengesetzt, nämlich die Angst vor Feuer, beim Feuer eingeschlossen zu sein usw.
Träume drehen sich um dieselben Themen: Ertrinken, Wiederbelebungsversuche, Rettungsversuche, Feuer.
Menschen im Nupha lutea-Zustand sind meist extrem tierlieb und haben auch oft selbst viele Tiere. Es können Begriffe fallen wie 'Arche Noah'.
Auf der körperlichen Ebene fällt bei beiden Geschlechtern eine fehlende Libido auf. Interessant ist hier der synonym gebrauchte Name 'Nymphaea lutea', wird doch im Alltagsverständnis 'Nymphomanie' mit der ungezügelten sexuellen Lust von Frauen gleichgesetzt.
Die 'alten' Homöopathen (Clarke, Farrington, Kent, Allen, Lilienthal …) setzten Nuphar lutea anscheinend am ehesten bei Durchfällen ein, häufig schmerzlos (ph-ac), häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden.
Falls Du heute gerade im Urlaub bist, an irgendeinem Strand vielleicht, könnte sein, dass Du jetzt ja einen kleinen Floh im Ohr hast … Das war nicht ganz unbeabsichtigt ;-). Viel Spaß beim Beobachten…
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